6. Oktober 2020

Konzept Soziales Lernen und soziales Miteinander an der Lebenswelt Schule

1. Leitsätze unserer Teamarbeit

Die Leitsätze unserer Teamarbeit wurden von allen Mitarbeitenden des Lebenswelt Schule e.V. erarbeitet und dienen uns als Orientierung, als Qualitätsmerkmal und als Leitbild für unser tägliches Miteinander.

Unsere Arbeit steht auf einem Fundament, welches das christliche Menschenbild in den Mittelpunkt stellt. Gegenseitige Achtung, Wertschätzung, Fehlerfreundlichkeit und Anteilnahme sind für uns wesentliche Parameter im Umgang miteinander.

WIR TRAGEN GEMEINSAM VERANTWORTUNG FÜR UNSERE LEBENSWELT SCHULE.

Wir tragen gemeinsam Verantwortung für unsere Lebenswelt Schule und formulieren gemeinsam Ziele zur Verbesserung oder Weiterentwicklung.

Alle Mitarbeitenden arbeiten engagiert im eigenen Bereich und erfüllen ihre Aufgaben eigenständig und verantwortungsvoll.

Das Leitungsteam und alle Mitarbeitenden kennen und nutzen die geschaffenen Strukturen des Organisationshandbuches verantwortungsbewusst.

WIR KOMMUNIZIEREN WERTSCHÄTZEND MITEINANDER.

Alle Mitglieder unserer Gemeinschaft stehen im offenen Dialog und gehen achtsam, wertschätzend, kooperativ und tolerant miteinander um. Unsere Grundlage dafür ist die gewaltfreie Kommunikation.

Das Gesamtteam nimmt sich in verbindlichen Workshops und Klausuren Zeit für gegen-seitigen Austausch und die Weiterentwicklung bzw. Verbesserung der Kommunikation.

Der erarbeitete Leitfaden Konfliktmanagement ist die Grundlage für unser Vorgehen bei Problemen und Konflikten.

WIR UNTERSTÜTZEN UNS GEGENSEITIG.

Alle Mitarbeitenden nehmen sich gegenseitig wahr und unterstützen sich situationsbezogen im Gesamtteam.

Wir sind solidarisch, bieten Hilfe an und bitten um Hilfe.

Wir gehen verständnisvoll mit den jeweiligen persönlichen Lebensherausforderungen der anderen um.

WIR LEBEN INKLUSIVE WERTE.

Die Lebenswelt Schule ist eine inklusive Einrichtung.

Die Schulgemeinschaft tauscht sich regelmäßig über inklusiven Haltungen und Werte aus.

Vielfalt und Teilhabe sind selbstverständliche und grundlegende Werte.

WIR PFLEGEN EINE WILLKOMMENSKULTUR FÜR NEUE MITARBEITENDE.

Wir halten uns an den erarbeiteten Leitfaden zur Einarbeitung neuer Mitarbeitender.

Neue Mitarbeitende heißen wir willkommen und freuen uns auf das gegenseitige Kennenlernen und die Bereicherung im Team.

An der Einarbeitung neuer Mitarbeiter:innen wirken alle Teammitglieder mit.

WIR ENTWICKLEN UNSERE SCHULE GEMEINSAM WEITER.

Schulentwicklung ist Aufgabe aller an der Schule Beteiligten. Daher beziehen wir alle Mitarbeitenden, Eltern und Kinder ein.

Jährlich finden Klausuren aller Mitarbeitenden statt, um Strukturen und Ziele zur überprüfen und zu verbessern.

Regelmäßig evaluieren wir unsere pädagogische Arbeit.

2. Grundsätze für unsere pädagogische Arbeit mit den Kindern

Soziales Lernen findet immer statt, beim gemeinsamen Erleben, Lernen, Spielen, Arbeiten und Feiern. An unserer kleinen familiären Schule kennt jeder jeden, es herrscht eine vertrauensvolle Atmosphäre.

Günstiges (im Sinne von gesellschaftlich akzeptiertes) soziales Verhalten erlernen die Kinder u.a. durch Vorleben, Angenommensein, Fehlerfreundlichkeit, Teilhabe, Erklärungen, Feedback und Einübung.

Dafür nehmen wir uns in unserer alltäglichen pädagogischen Arbeit Zeit und arbeiten präventiv:

  • Wir vermitteln und üben soziale Kompetenzen wie Empathie, Kooperationsbereitschaft, Kommunikationsfähigkeit, Regelbewusstsein, Achtung, Freundlichkeit, Konfliktkompetenz, Toleranz, Verständnis und Verzeihen.
  • Zum Üben und Bewusstmachen nutzen wir regelmäßig Morgenkreise, Hortkreise, spezielle Themenzeiten, Klassenprojekte und Gottesdienste.

Wir sprechen mit den Kindern auf Augenhöhe und schaffen durch gemeinsame Aktivitäten wie Lesenächte, Klassenfahrten und Ausflüge eine vertrauensvolle Atmosphäre und ein starkes Gemeinschaftsgefühl.

Kinder an unserer Schule tragen Verantwortung für die Gemeinschaft in dem sie mitbestimmen und sich in Mitgestaltung üben.

Wir schaffen Möglichkeiten für alle Kinder, Strategien zur friedlichen Konfliktlösung zu erlernen und zu erleben. Das Einüben und Trainieren der gewaltfreien Kommunikation ist Bestandteil unseres pädagogischen Alltags.

Wir klären die Kinder über ihre Rechte ihren eigenen Körper betreffend auf und üben das Grenzen setzen und Grenzen einhalten. Dabei folgen wir den klaren Handlungsleitlinien unseres Schutzkonzeptes.

Jedes Kind erhält die Chance, zu lernen.

  • Wir vertrauen darauf, dass jedes Kind lern- und entwicklungsfähig ist.
  • Wir sehen im Verhalten des Kindes die Hintergründe und die Komplexität, die dazu führen.
  • Wir unterstützen jedes Kind darin, sein eigenes Verhalten einschätzen und im Bedarf ändern zu können.
  • Wir nehmen jedes Kind so an, wie es ist und unterstützen es auf seinem Lernweg, auch im Kontext des sozialen Lernens.

Montessori Freiheitsbegriff, Meister, seiner selbst

Als Montessorischule orientieren wir uns beim sozialen Lernen der Kinder ebenso am Freiheitsbegriff Montessoris.

Unsere übergeordneten Ziele sind

  • Kinder handeln von sich aus.
  • Sie lösen Probleme selbst.
  • Sie erreichen aus eigener Kraft Ziele.

Der freie Mensch ist Meister seiner selbst und hat grundlegende Fähigkeiten erworben:

  • Kinder können ihre eigenen Gefühle und Bedürfnisse wahrnehmen.
  • Sie übernehmen Verantwortung für ihr Handeln und für dessen Konsequenzen.
  • Sie sehen die Bedürfnisse anderer und erkennen sie an.
  • Sie respektieren und achten ihre Mitmenschen, ohne sich unter- oder überzuordnen.

Wir arbeiten präventiv und geben den Kindern die Möglichkeit, günstiges soziales Verhalten zu üben

Fest verankert im Schuljahresplan sind Zeiten, in denen wir mit den Kindern an Themen des sozialen Lernens arbeiten, um ungünstigem sozialen Verhalten, Ausgrenzung, Grenzverletzungen, Gewalt, Mobbing und sexuellen Übergriffen vorzubeugen.

Wir geben Raum für Teilhabe, Mitgestaltung und Einübung sozialer Verhaltensweisen.

  • Alle Kinder üben sich in der gewaltfreien Kommunikation. Mit Hilfe der Giraffensprache lernen die Kinder ihre eigenen Gefühle wahrzunehmen und zu benennen. Sie reflektieren ihre eigenen Bedürfnisse und formulieren Wünsche zur Veränderung der Situation.
  • Im Hort findet jährlich zu Beginn des Schuljahres das Projekt „Das wir(d) schon“ statt. In einem festgelegten Rahmen wird mit allen Kindern thematisch zu den Themen Gefühle, Konflikte, Grenzen und Versöhnung gearbeitet.
  • Wir klären die Kinder regelmäßig über ihre Rechte nach der UN-Kinderrechtskonvention auf. Kinderrechte werden in jedem Jahr in den Klassenkreisen gemeinsam mit den Kindern erarbeitet oder wiederholt.
  • Als eine feste Struktur der Mitbestimmung ist unser Kinderrat etabliert. Kinder tragen Verantwortung für die Gemeinschaft und unser Miteinander.
  • Auf Grundlage unseres Schutzkonzeptes ist es unser Ziel, dass sich jedes Kind an unserer Schule vor Gewalt und Übergriffen sicher fühlen kann. Jedes Jahr beschäftigen wie uns mit den Kindern in den Klassenkreisen mit dem menschlichen Körper ebenso wie mit kindlicher Sexualität und klären sie über unsere Regeln und ihre Rechte auf. So lernen Kinder ihre eigenen und die Grenzen der anderen kennen, wahrnehmen und einhalten, dass sich alle in der Gemeinschaft sicher und vertrauensvoll bewegen können.

3. Regeln für die Kinder

  • Ich akzeptiere, dass es Regeln gibt und halte mich an unsere Regeln.
  • Ich habe das Recht, ungestört zu spielen und zu lernen. Ich darf mir aussuchen, mit wem ich spielen will. Ich darf allein spielen.
  • Ich achte das Spiel und das Lernen des anderen.
  • Ich verhalte mich anderen und allen Lebewesen (Tier, Pflanzen, Pilze) gegenüber rücksichtsvoll in Worten und Taten.
  • Ich nutzte die STOPP-Regel oder zeige meine Grenzen anders.
  • Ich halte mich an die STOPP-Regel und erkenne die Grenzen des anderen Kindes an.
  • Ich darf so sein, wie ich bin. Alle dürfen so sein, wie sie sind.
  • Ich helfe anderen, wenn sie Hilfe brauchen und wollen.
  • Ich nehme oder benutze Gegenstände, die anderen gehören, nur wenn ich darf.
  • Ich bin vorsichtig mit Gegenständen und Arbeitsmaterialien. Ich sage Bescheid, wenn trotzdem etwas kaputt gegangen ist.
  • Wir wissen, dass wir es nicht immer schaffen, uns an alle Regeln zu halten.
  • Wir unterstützen uns gegenseitig, die Regeln einzuhalten.

4. Pädagogischer Umgang mit Regelverletzungen

Grundprinzipien

  • Wir schauen nicht weg. Wir setzen uns aktiv ein.
  • Wir sprechen mit jedem Kind respektvoll und nutzen selbst die Giraffensprache.
  • Die Reaktion auf ein Fehlverhalten erfolgt sofort /zeitnah.
  • Die Anweisungen sind verständlich und altersgerecht.
  • Konsequenzen haben ein Ende (zeitliche Festlegung).
  • Wir behandeln das gerecht/fair.
  • Wenn nötig wird ein Termin genannt, zu dem noch einmal über die Konsequenz und das anschließende Verhalten gesprochen wird.
  • Die Pädagog:innen versuchen, das Kind bestmöglich in die Findung und die Umsetzung der jeweiligen Maßnahme einzubeziehen.
  • Die Pädagog:innen lassen das Kind immer wissen, dass sich die Maßnahmen nicht auf die eigene Person, sondern nur auf das gezeigte Verhalten beziehen.
  • Einschränkungen oder Maßnahmen betreffen immer nur das Kind, das die Regeln missachtet hat (nicht das Kind, das geschädigt oder schlecht behandelt wurde).

Mögliche Maßnahmen, die wir nutzen können

  • Gespräche mit dem Kind
  • Moderation von Konflikten zwischen Kindern
  • Information an die Eltern oder Elterngespräch
  • Gespräche mit Kindern und Eltern
  • regelmäßige Reflexionsgespräche mit dem Kind
  • Arbeit mit einem Trainingsausweis
  • Wiedergutmachung eines Schadens
  • Entschuldigung
  • soziale Tätigkeiten ausführen / Auferlegen besonderer Pflichten
  • Einschränkung der Freiheiten